Mitarbeitende sollen und können sich vermehrt als Botschafter des eigenen Unternehmens via soziale Netzwerke sichtbar machen und einbringen. Immer mehr Unternehmen möchten das, aber natürlich nur unter Anleitung. Denn für die Marketing- und Kommunikationsabteilungen entstehen dadurch neue Chancen aber auch Aufwand: Inhalte müssen neu so aufbereitet werden, dass sie teilbar, kommentierbar, sogar anpassbar sind. Gleichzeitig lässt sich damit aber die Tonalität und Qualität der Sozialen Kommunikation nicht 100% steuern oder beeinflussen – muss es aber auch nicht.

Es startet mit der Befähigung: Was kann ich machen und was muss ich wissen

Das spannende am Community Management ist ja eigentlich, wie schnell man starten kann im eigenen Unternehmen. Da braucht es keine komplexen Marketing- oder Social-Selling Konzepte, sondern erst mal Schulung, wie soziale Netzwerke funktionieren und wie die Menschen dahinter ticken, sowie die Menschen, welche sie nutzen. Gleichzeitig muss man darauf setzen, Mitarbeitenden die Angst zu nehmen, etwas falsch zu machen. Es geht dabei um die Befähigung, dass die eigenen Mitarbeitenden dahingehend ausgebildet werden, damit sie den Arbeitsprozess und die täglichen Arbeitsergebnisse nach Aussen tragen können. “Document don’t create” heisst die Devise.

Working Out Loud: dokumentieren statt kreieren

„Working Out Loud ist eine einfach Methode, um relevante Arbeitsbeziehungen aufzubauen, die dabei helfen, ein Ziel zu erreichen oder neue Themen zu entdecken.“ John Stepper

Frei nach dem sehr spannenden Buch von John Stepper “Working out loud”* ist, vereinfach ausgedrückt, die Kombination von Verständnis, Tools und Vernetzung die passende Methode, um langfristig Beziehungen im eigenen, lokalen oder Themen relevanten Netzwerk aufzubauen. Es ist aber ein neuer Arbeits-Mindset. Es geht darum, Geschichten zu erzählen, Einblicke zu geben und damit Beziehungen zu vertiefen und eigene Verhaltensweisen zu ändern – offener, freigiebiger und vernetzter arbeiten, als Unternehmen aber auch als Person.

Die 5:3:2 Methode: lern mich kennen

Wir setzen das Prinzip von Working out Loud schon länger um und nutzen dabei unsere 5:3:2 Methode, welche in einfachen und praktischen Schritten sagt: Lern mich kennen, begleite mich, investier in mich. Dabei ist das Verhältnis ausschlaggebend: 50% sollte Content Snacks sein, die ermöglichen, Hilfestellungen und Einblicke zu geben, nicht gebrandet, nicht Corporate, sondern persönlich und thematisch. 30% des Inhaltes darf einen Touch von Firma haben aber muss immer noch hilfreich und nicht verkaufend sein, 20% ist dann kommerzieller Inhalt.

Wie funktioniert es?

Die “Working Out Loud” Methode ist im grossen und ganzen “Mini Influencertum” und “Selbstbefähigung” und für alle geeignet, die offen, selbstorganisiert und vernetzt arbeiten können und dürfen. Working Out Loud stellt dabei die folgenden drei Fragen:

  1. Was versuche ich langfristig zu erreichen?
  2. Wer könnte mit meinem Ziel in Verbindung stehen?
  3. Was kann ich Personen im Gegenzug anbieten, um unsere Beziehung zu vertiefen?

Kommt ihnen bekannt vor? Genau, das nennt man auch: Social Selling. Aber Working Out Loud klingt passender und weniger verkäuferisch – oder?

Wie wird Working Out Loud umgesetzt?

Wenn Mitarbeitenden verstehen, wie sie eigene Profile besser nutzen können, privat und beruflich, verstehen sie auch den Nutzen. Wichtig dabei: sie kennen Sicherheitseinstellungen, Möglichkeiten und Potentiale von LinkedIn, Instagram, Facebook und Co und sie verstehen welche Tools es braucht um sich selbst zu positionieren. Erst dann klappt es auch mit dem Multiplizieren von Unternehmensinhalten und Produkten und Dienstleistungen.

Praktisch Umgesetzt wird die Methode dann in kleinen Gruppen – auch Pods genannt. Auch hier bedient man sich dem Influencertum und trifft sich für die Content Creation physisch oder virtuell und sorgt dafür, dass dedizierte Inhalte bewusster gepusht und nach Aussen getragen werden.

Otto in Deutschland vorne mit dabei

OTTO hat 100 Personen ausgebildet, welche nun am so genannten Jobbotschafter-Programm teilnehmen. Die Jobbotschafter werden also dazu befähigt, auf Branchenveranstaltungen oder im Netz über die Themen und Entwicklungen bei OTTO zu kommunizieren, mit (potenziellen) Bewerbern Gespräche zu führen oder den Bewerbungsprozess zu begleiten. Gesucht wurden dafür Mitarbeitende, die OTTO auf Recruiting-Events und in Blogs vertreten, oder Multiplikatoren, die Einblicke in ihren Arbeitsalltag auf Instagram geben. Aber auch Fachexperten, Ideengeber sowie Kontakter und Co-Recruiter, die Bewerber fachlich auf Augenhöhe interviewen und dafür vorher im Recruitment ausgebildet werden.

Quelle: Otto.de

Die erste und beste Community startet immer noch im eigenen Unternehmen.

Viel zu viele Mitarbeitenden sind frustriert, wollen nicht zur Arbeit am Montag oder würden sich nie nach Aussen zum Unternehmen bekennen. Das muss nicht sein. Wer seine Mitarbeitenden fördert und fordert, wer zuerst an deren Möglichkeiten und Nutzen denkt, wird später auch belohnt. Denn der Community Gedanke muss von Innen kommen. Wer lässt aber offiziell zu, dass Mitarbeitenden sich 1h pro Tag auf LinkedIn, Facebook und Instagram austoben können? Was sind die Kosten, wenn sie es nicht tun? Ausbilden heisst ermöglichen, ermöglichen heisst Potentiale ausloten, Potentiale ausloten kann nur, wer wagt und probiert – und wer weiss wie, startet nicht gleich mit angezogener Handbremse. 

Document, don’t create heisst die Devise

Ist das Fundament und Verständnis gelegt, kann man anfangen zu dokumentieren. Alle Mitarbeitenden können selber Content erstellen. Sie können schreiben, filmen, fotografieren und die richtigen Themen oder Hashtags herausfinden. Dank Tools wie Adobe Spark, Unsplash Fotodatenbanken, Powtoon für Erklärvideos oder Infografik-Tools wie Infogramkann jeder schnell selbst zum Content Creator werden.

Unser 5:3:2 System gemeinsam mit der dazu passenden Pillar-Corner-Content-Strategie kann da zum Beispiel ein Ansatz sein.

Wichtig ist dabei nur, dass man dokumentiert und nicht versucht, komplexe Marketing-Perfektion erreichen zu wollen. Einblicke, Entstehungsprozesse, Workshops, Diskussionen, Meetups oder Brainstormings sind perfekte “Content Snacks” die man auf- und ausbauen kann.

Gemeinsam kann man dann diese Inhalts-Häppchen in den bereits gebildeten kleinen Pods (auf Linkedin, Facebook, Instagram oder Whatsapp) danach auch verteilen, kommentieren, liken oder feedbacken – gemeinsam stark wie die Fische im Schwarm – daher der Name.

Machen Sie mit? Was sind Ihre Erfahrungen?

Mehr auch im Video zum Thema: Aufbau einer Online Community